Konzept gemeinsamer Unterricht

Unsere Schule ist geprägt durch den Geist Maria Montessoris. Alle Beteiligten sind dafür verantwortlich, dass alle Kinder in ihrer Vielfalt willkommen geheißen werden. Daraus resultieren die notwendigen inklusionsbedingten und pädagogischen Maßnahmen.

Organisation von GL-Klassen

Idealerweise bilden wir pro Jahrgangsmischung eine GL Klasse, in der wir GL-Schüler bündeln.

Durch diese Bündelung ermöglichen wir eine möglichst hohe Stundenzahl, in der Grundschullehrerin und Sonderpädagogin in Doppelbesetzung gemeinsam in der Klasse arbeiten. Dabei ist es uns selbstverständlich, dass sich beide Lehrerinnen für alle Kinder zuständig und verantwortlich fühlen.

Ein in der gesamten Schule abgestimmtes Classroommanagement hilft positives Verhalten zu trainieren.

Kriterien für die Aufnahme von GL-Schülern:

  1. Maximal 3-5 Schüler in einer Klasse
  2. Wohnortnähe
  3. GL-Klasse sollte möglichst 25 Kinder nicht überschreiten
  4. Keine Neuaufnahme in Klasse 4
  5. 1 ES-Kind pro GL-Klasse, sofern die emotional/soziale Verhaltensweise das Lernen der übrigen Lerngruppe beeinträchtigt.
  6. Ausgewogenheit der Förderschwerpunkte innerhalb einer Klasse
  7. Schuleigene Kinder
  8. Geschwisterkinder
  9. Losverfahren

Teamarbeit

Das Kollegium sieht sich als Team einer inklusiven Schule für alle Kinder. Sonderpädagogische Förderung von Kindern im GL erfordert ein hohes Maß an Kommunikation unter den Kolleg/Innen.

Alle Teams treffen sich als Professionelle Lerngemeinschaft (PLG) wöchentlich in einem festgelegten Zeitraum. Die PLGs setzen sich zusammen aus den Parallellehrerinnen sowie der zugehörigen Sonderschullehrerin.

Die PLG plant gemeinsam Unterricht, führt ihn gemeinsam durch mit abgestimmten Rollen und wertet auch gemeinsam aus. Neben den regelmäßigen institutionalisierten Teamsitzungen finden ebenso kurze Informationsgespräche (auch per Telefon oder Email) statt.

 

Kooperation im Lehrerteam kann in unterschiedlichen Formen erfolgen:

  • One teach – one observe: Eine Lehrkraft übernimmt die primäre Unterrichtsverantwortung, die andere beobachtet.
  • one teach – one drift: Eine der beiden Lehrkräfte übernimmt die primäre Unterrichtsverantwortung, die andere unterstützt Schülerinnen und Schüler bei ihrer Arbeit, bei der Regulation ihres Verhaltens, bei der Verwirklichung ihrer kommunikativen Absichten
  • station teaching: Der Unterrichtsinhalt wird in zwei Bereiche aufgeteilt. Es werden zwei Gruppen gebildet, die zuerst von der einen, dann von der anderen Lehrkraft unterrichtet werden
  • parallel teaching: Jede Lehrkraft unterrichtet eine Klassenhälfte, beide beziehen sich auf dieselben Inhalte.
  • remedial teaching: Eine Lehrkraft unterrichtet die Gruppe von Schülern, die andere arbeitet mit denjenigen, die auf einem anderen Niveau operieren.
  • supplemental teaching: Eine Lehrkraft führt die Unterrichtsstunde durch, die andere bietet zusätzliches Material und differenzierte Hilfen für diejenigen Schüler an, die den Stoff nicht so bewältigen können.
  • team teaching: Regelschullehrer und Sonderpädagoge führen den Unterricht mit allen Schülern gemeinsam durch. Das kann heißen, dass sie gemeinsam oder abwechselnd die Führung übernehmen.1

Diagnostik und Förderung

Diagnostik und Förderung aller Kinder ist uns sehr wichtig und in unserem Förderkonzept genauer beschrieben. Damit wir früh sonderpädagogische Förderbedarfe feststellen, wenden wir folgendes Verfahren an:

Zur Anmeldung haben wir ein Screening entwickelt, in dem die Kinder spielerisch Übungen durchführen, die geeignet sind, den Entwicklungsstand der Kinder in den verschiedenen Bereichen festzustellen.

Von der Einschulung bis zu den Herbstferien beobachtet die Grundschullehrerin gezielt ihre neuen Kinder. Sie wird dabei unterstützt von einer Sonderpädagogin, die stundenweise mit in der Klasse arbeitet. Diagnostische Screeningverfahren, wie der BWT von Sommer-Stumpenhorst und die Eingangsdiagnostik von PIKAS ergänzen die Beobachtungen der Kollegin.

Bis zu den Herbstferien haben die Kolleginnen ermittelt, welches die Bereiche sind, in denen eine zusätzliche Förderung für die Erstklässler wichtig ist. Sie legen Schwerpunkte fest und sie erstellen in ihren Teams passende Förderpläne.

Die Sonderschulpädagoginnen beraten die Kolleginnen bei auffälligen Schülern. Sie bieten an, Kinder diagnostisch zu untersuchen (Beobachten, standardisierte und informelle Verfahren).

Außerschulische diagnostische Ergebnisse werden in die Förderung selbstverständlich mit einbezogen. Häufig setzen sich alle an der Förderung beteiligten Personen (z.B. Lehrer, Eltern, OGS-Pädagogen, Jugendamt und Therapeuten) zu einem Hilfeplangespräch an einen „Runden Tisch“ und beschließen die weiteren Fördermaßnahmen gemeinsam.

Wir haben ein gemeinsames Dokumentationssystem zur Erstellung von Förderplänen entwickelt. Dabei sollten die Pläne nur eine überschaubare Anzahl von Förderzielen verfolgen, die sich an den individuellen Stärken der Schüler orientieren.

Die Sonderschulpädagoginnen setzen unterschiedliche Verfahren zur Ermittlung der Lernausgangslage ein. Die sich daraus ergebenden Förderziele werden unter der Leitung der Sonderschulpädagogen mit den Grundschulkollegen abgesprochen.

Eltern und Schüler werden in die Förderplanung eingebunden, Gespräche finden in individuell abgestimmten Zeiträumen statt.

Die Pläne werden regelmäßig überprüft, reflektiert und fortgeschrieben. Sie sind Grundlage der Unterrichts- und Erziehungsarbeit. Sie enthalten konkrete methodische Vorschläge zur Unterrichtsarbeit bzw. geeignete Entwicklungsmaterialien, mit denen das Kind arbeiten sollte.

Alle Mitglieder im Team sollten Zugriff auf die Förderpläne haben, um auch Beobachtungen usw. notieren zu können.

"Vorbereitete Umgebung"

Jede Klasse bietet eine pädagogisch vorbereitete Umgebung an, in der jedes Kind gemäß seinem Bildungsstand und seiner Persönlichkeitsentwicklung ausreichende Lernanreize im sozialen, pragmatischen und kognitiven Bereich findet.

Die Montessorimaterialien sind Entwicklungsmaterialien. Die Materialien bauen logisch aufeinander auf. Jedes Material hilft dem Kind einen Sachverhalt ganzheitlich zu erfassen und so einen bestimmten Entwicklungsschritt zu gehen.

Über viele Jahre haben wir alle Klassen mit den Grundmaterialien der Montessoripädagogik ausgestattet, die es allen Kindern ermöglicht individuell auf ihrem jeweiligen Leistungsstand Mathematik und Deutsch zu begreifen und sich nach ihrem persönlichen Bauplan zu entwickeln. Dieses Material ist erweitert worden um Rechtschreibmaterial nach Sommer-Stumpenhorst sowie weiteres Material, das individuelle Differenzierung ermöglicht.

Freiarbeit

Unser gesamtes Grundschulkonzept, das auf der Pädagogik Maria Montessoris beruht, begünstigt durch offenen Unterrichtsformen wie Freiarbeit und projektorientierten Lernstationen oder Werkstätten die inklusive Arbeit.

Besonders bestimmt wird unser Unterrichtsalltag durch die Freiarbeit nach Maria Montessori. Wir teilen Maria Montessoris Meinung, dass so das Gemeinsame Lernen gut gelingen kann, weil „Der Weg, auf dem die Schwachen sich stärken, ist der gleiche wie der, auf dem die Starken sich vervollkommnen.“ (M. Montessori, Schule des Kindes S.166)

Dadurch werden die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten eines jeden Kindes besonders berücksichtigt und gefördert. Die Arbeit mit Entwicklungsmaterialien, entsprechend angelegte Differenzierung und Individualisierung nach Zeit, Umfang, Niveau, Hilfe, Medien und Zielen bestimmen unseren Alltag.

Wir beziehen behindertenspezifische Methoden ein, die allen Kindern die Chance zu Entwicklungsfortschritten in den Bereichen Wahrnehmung, Motorik, Konzentration, Sprache, Mathematik und Emotionalität bietet.

Die Freiarbeit erzieht die Kinder dazu selbstbestimmt Leistung zu erbringen, zu reflektieren und die nächsten Schritte zu gehen.

Im Rahmen der Leistungserziehung erhalten Kinder und Eltern Rückmeldung und Beratung.

Inklusive sonderpädagogische Förderung

Die Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden auf der Grundlage der Richtlinien und Lehrpläne der entsprechenden Förderschule unterrichtet. Die pädagogischen Entscheidungen über die Formen inklusiven Lernens obliegen dem Team der Lehrkräfte in der inklusiven Lerngruppe.

Die sonderpädagogische Förderung findet überwiegend in der Klassengemeinschaft statt. Es ist uns selbstverständlich, dass alle Kinder am gleichen Projekt arbeiten.

Zur äußeren Differenzierung ist es sinnvoll, Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf innerhalb einer Kleingruppe zu fördern. Die Kleingruppenförderung kann sich z.B. auf Feinmotorik, phonologische Bewusstheit usw. beziehen.

In besonderen Fällen erfolgt die Förderung zeitweise in einer 1:1 Situation.

Elternarbeit

Wir halten eine intensive Elternarbeit für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf für dringend erforderlich.

Die regelmäßigen, kontinuierlichen Elterngespräche beinhalten unterstützende und beratende Aspekte wie auch den Austausch über die Förderplanung. Teilweise benötigen wir gemeinsame Erziehungsvereinbarungen (z.B. Lernvertrag, Verhaltensplan durch positive Verstärkung).

Evaluation

Regelmäßig überprüfen wir datenbasiert unsere Maßnahmen und Konzepte, um unsere Arbeit zu optimieren oder Fortbildungen zu organisieren.

1 Quelle: Elksnin,L./Capilouto,G.: Speech-language pathologists’ perceptions of integrated service delivery in school settings. In: Language, Speech, Hearing Services in Schools, 25, 258-267 (1994)