25 Jahre Mauerfall als Thema im Religionsunterricht

Religionsunterricht an der Engelsbachschule

Anlässlich des Jubiläums „25 JAHRE MAUERFALL“ haben die Dritt- und Viertklässler vier Doppelstunden lang zu diesem Thema gearbeitet. Frau Bismark und ein Schüler-Großvater haben von ihrer Kindheit in der DDR berichtet. In kleinen Rollenspielen konnten die Kinder sich in den Alltag einer Diktatur hinein versetzen. Anschließend haben sie einen Film zum Mauerbau und Mauerfall angeschaut und an Stationen gearbeitet. Die Kinder haben ein deutliches Gespür für den Wert von Meinungsfreiheit und Demokratie entwickelt.

Die nächste Einheit über die Bergpredigt greift die Themen auf und führt sie weiter im Licht der Friedensbotschaft Jesu.

Die DDR war eine Diktatur

In der DDR wurde strengstens überwacht, was die Leute dachten und sagten. Wenn man was sagte gegen die Regierung, wurde man bestraft. Wenn man das tat, was man machen sollte, wurde man belohnt: mit einem Auto, mehr Platz zum Wohnen, mehr zum Essen oder einfach eine bessere Stellung.

Viele waren damit nicht einverstanden. Sie wollten ihr Leben auch selbst bestimmen. Sie trafen sich in der Stadt Leipzig zu den Montags-Demonstrationen. Das war im Sommer 1989. Jeden Montag kamen mehr Menschen. Schließlich waren es so viele, dass die Regierung zurücktreten musste.

Adriane

Die Nacht des 9. November 1989

Wir haben einen Film gesehen, wie die Mauer in Berlin fiel. Da hat mir das mit der Pressekonferenz am besten gefallen. Günter Schabowski sagte den Reportern, dass die Grenzen und die Mauer sofort geöffnet werden (eigentlich war das ein Missverständnis). Viele Menschen hatten das im Fernsehen gesehen und gingen sofort zu den Grenzübergängen. Die Polizisten an der Mauer wussten gar nichts von der neuen Regelung. Aber nachdem so viele Menschen vor ihnen standen und über die Grenze wollten, blieb ihnen nichts anderes übrig als die Grenze tatsächlich zu öffnen. Die Menschen feierten die ganze Nacht.

Jacob

Die Montagsdemos in Leipzig

Die Menschen verließen die Nikolaikirche und zogen zu Tausenden durch die Straßen. Jeden Montag, solange bis die Regierung aufgab und die Mauer fiel.

Tim

Montagsdemonstrationen in Leipzig / Kerzen und Gebete

Die Menschen in der DDR wurden ungerecht behandelt. Der Pfarrer Christian Führer in Leipzig hatte darauf keine Lust mehr. Er wollte mit den Menschen beten für die Freiheit. Das tat er auch. Zuerst waren es nur wenige Menschen. Jeden Montag kamen mehr dazu. Irgendwann waren es so viele, dass auch draußen vor der Nikolaikirche welche standen. Eine Frau ging zu Christian Führer hin und schlug vor: „Warum gehen wir nicht auf die Straße und protestieren mit Kerzen für die Freiheit?“ So gingen sie zusammen auf die Straße und riefen: „Wir wollen Freiheit!“, zuerst noch schüchtern, dann lauter und immer lauter. Die Polizei meinte hinterher: „Wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete.“

Pia

So hat meine Mutter den Mauerfall erlebt

Ich habe meine Mutter gefragt, wie sie den Mauerfall erlebt hat. Sie war damals 17 Jahre alt. Sie hat mir erzählt: Sie lebte in Ost-Berlin und war damals gerade mit ihrer Freundin im Urlaub in der Tschechoslowakei. Es gab da keine Handys oder Telefone oder Radios. Deshalb hat meine Mutter den Mauerfall erst später mitgekriegt. Bei der Rückfahrt im Zug lagen schon ein paar Coladosen auf dem Boden. Cola gab es nämlich nicht in Ostberlin. Aber meine Mutter glaubte nicht, dass die Mauer offen war. Sie fragte an der Grenze, ob die Mauer offen war. Er sagte „Ja“. Als der Zug dann in Berlin einfuhr, waren noch mehr Coladosen am Bahnsteig. Jetzt erst glaubte sie, dass die Mauer offen war.

Ole

Vier Zonen und die Berliner Mauer

DDR war eine Abkürzung für Deutsche Demokratische Republik. Am 13. August 1961 wurde quer durch die Stadt Berlin eine Mauer gebaut. Berlin wurde in vier Teile aufgeteilt. Eine Zone gehörte den Briten, eine den Amerikanern, eine den Franzosen und eine der Sowjetunion. Für die Leute in der DDR war es lebensgefährlich sich der Grenze zu nähern. Bewaffnete DDR-Soldaten bewachten die Grenze. Wer das Grenzgebiet betrat konnte bestraft oder sogar erschossen werden oder kam ins Gefängnis. Deshalb hieß dieses Gebiet „Todesstreifen“. Alle, die was gegen die Regierung sagten, wurden bestraft, z.B. indem man einen schlechten Beruf bekam. Wenn es ganz schlimm war, konnte man sogar ins Gefängnis kommen. Die Einheitspartei SED herrschte über das ganze Land.

Gustav

Der „Todesstreifen“

Die Mauer quer durch Berlin war 3 m hoch mit einer Abrundung oben drauf, damit man sich nicht so gut festhalten konnte. Der Todesstreifen davor sollte verhindern, dass man überhaupt bis an die Mauer kam. Da war zunächst Sand. Da liefen Soldaten mit Maschinenpistolen lang. Dann kam ein Streifen, wo Soldaten mit Autos langfuhren. Dann kam Stacheldraht. Und zwischen dem Stacheldraht und der Mauer ließen sie Hunde frei laufen, die die fliehenden Menschen gebissen haben. Und Wachtürme, wo die Soldaten alles gut überblicken konnten, gab es auch noch.

Caspar

Die STASI

In der Schule in der DDR fragte die Lehrerin: „Welche Uhr habt ihr gestern abend bei den Fernseh-Nachrichten gesehen?“ Wenn ein Kind ARD- oder ZDF-Nachrichten, also West-Fernsehen gesehen hatte, sagte die Lehrerin das heimlich dem Schulleiter. Der sagte es jemand von der STASI. Und die besuchten dann die Eltern und warnten sie: „“Wenn das nochmal passiert, kommen Sie ins Gefängnis!“ Das nennt man bespitzeln. Oder auch, wenn sich welche unterhielten. Immer hatte man Angst, dass jemand von der STASI zuhörte.

Till

Mauerbau und Mauerfall

Die Situation verschlimmerte sich, als die britische, die französische und die amerikanische Zone sich zusammen taten. Ab dann hieß dieser Teil Bundesrepublik Deutschland und die sowjetische Seite Deutsche Demokratische Republik. Damit die beiden Länder nichts mehr miteinander zu tun hatten, wurde von der DDR eine Mauer zwischen den beiden Ländern gebaut. Hinter der Mauer war ein geharkter Weg, wo man Fußspuren sehen konnte. Dahinter war der sogenannte Kolonnenweg, auf dem die Soldaten mit Fahrzeugen fuhren. Danach Hundelaufanlagen, mit Hunden, die Alarm schlugen und natürlich die Beobachtungstürme und noch ein Zaun mit Stacheldraht und Alarmanlagen.

Die Flucht war lebensgefährlich. Wer flüchten wollte, wurde festgenommen oder getötet. Manche sind durch einen Tunnel geflohen.

Irgendwann gingen die Menschen in der DDR auf die Straße und demonstrierten für Frieden. Der Druck auf die DDR-Regierung wurde immer größer und dadurch wurden die Grenzen geöffnet. Erst waren es wenige, die über die Grenze gingen. Dann wurden es immer mehr. Alle fielen sich in die Arme und die Grenzsoldaten durften wieder miteinander reden. Dann wurden die Grenzanlagen abgebaut, der Stacheldraht abgenommen und aufgewickelt.

Julia

Meiner Urgroßtante gelang die Flucht

Meine Urgroßtante Elli und ihr Mann wohnten in der DDR. Sie wurden immer unglücklicher, weil sie gezwungen wurden für die DDR zu spionieren. Dann wurden sie sogar mit dem Leben bedroht. So entschlossen sie sich zur Flucht. Viele Menschen halfen ihnen bei der Flucht.

Am 19. Februar 1952 verließen sie ihr Haus in Wismar. Sie nahmen auch ihren Hund Troll mit. Sie fuhren nach Schwerin ins Krankenhaus. Dort parkten sie ihr Auto um ihre Verfolger abzuschütteln. Sie gingen durch den Haupteingang ins Krankenhaus. Dort trafen sie einen gut befreundeten Arzt. Mit dem verließen sie das Krankenhaus durch eine geheime Hintertür. Sie fuhren im Auto des Arztes bis zu einem Bauernhof in der Nähe der Grenze. Da erwartete sie eine Bäuerin. Als es ganz dunkel war, gingen sie mit der bis zur Brücke, die in die Bundesrepublik führte.

Plötzlich stand einige Meter vor ihnen ein Soldat, der die Gegend nach Flüchtlingen absuchte. Nur ein Laut ihres Hundes Troll hätte sie das Leben gekostet. Zum Glück gab er keinen Laut von sich. Der Soldat gab die Suche auf. Als sie an der Brücke ankamen, taten einige Leute so als würden sie sich prügeln. Da waren die Soldaten damit abgelenkt die beiden Streithähne auseinander zu kriegen. Sie merkten nicht, dass meine Urgroßtante Elli und ihr Mann über die Brücke rannten in die Bundesrepublik. Ihr Hund Troll saß noch auf der anderen Seite. Sie pfiffen um Troll zu sich zu rufen. Troll schaffte es über die Brücke zu kommen. Das war einer der schönsten Momente im Leben meiner Urgroßtante.

Katharina

 

Und das haben die Kinder abschließend mündlich zum Thema Diktatur und Mauerfall gesagt:

Adriane zu den Montagsdemos: Ich hätte mich das nicht getraut.

Emil: Ich finde toll, dass so viele Menschen für die Freiheit auf die Straße gegangen sind und dass Deutschland jetzt wieder zusammen ist.

Lara: Ich finde echt erschreckend, dass so viele über den Todesstreifen versucht haben zu kommen, obwohl dabei der Tod drohte.

Magali: Ich finde echt mutig, dass sie alles probiert haben mit so viel Phantasie.

Merle: Ich finde es schlimm, wie man in der DDR Kinder behandelt hat. Man tat so nett, aber in Wirklichkeit waren sie böse, weil sie einander bespitzelt haben.

Binta: Ich staune über den Mut von Christian Führer.

Constantin: Ich finde es mutig, dass sie für ihre Freiheit gekämpft haben.