Besuch im Altenheim

„Da hat sich aber viel verändert!“

Schulalltag früher

Unsere Zeitungs-AG  war im Ippendorfer Seniorenheim Haus Elisabeth zu Besuch. Es war spannend das Altenheim von innen zu sehen. Ein schön eingerichtetes Esszimmer. Im Garten viele Blumen. Die hatte eine Klasse unserer Schule dort vor einem Jahr gepflanzt.

Romi: Die alten Leute waren richtig nett zu uns. Sie haben uns leckeren Kakao angeboten. Obwohl Mittagszeit war und die alten Menschen eigentlich viel Schlaf brauchen, sind ganz viele gekommen. Wir mussten laut und deutlich reden, weil viele ein Hörgerät haben.

Malik: Die Älteste in der Runde ist 1917 geboren, ist also schon 97 Jahre alt.

Mathilde: Neben mir saß eine sehr alte Dame und ein alter Herr mit einem langen weißen Bart. Zuerst habe ich mich nicht so wohl gefühlt. Aber als die angefangen haben zu erzählen, war es gut.

Pia: Wir haben auch unser Montessori-Material mitgebracht. Wir haben den alten Leuten erklärt, wie man zum Beispiel mit dem Hunderter-Teppich arbeitet. Das fanden sie interessant, und sie meinten: „Da hat sich aber viel verändert!“

Dünya: Wir hatten uns so viel gegenseitig zu erzählen, dass die Zeit eigentlich nicht reichte. Deshalb wollen wir bald noch einmal hin. Auf unserem Rückweg mussten wir durch den Regen laufen. Aber wir waren alle supergut gelaunt. Es war ein toller Ausflug.

 

Diese Fragen haben wir gestellt:

 

War Ihr Lehrer nett?

Die jungen Lehrer mussten als Soldaten in den Krieg. Deshalb hatten wir einen ganz alten. Den hatte auch schon meine Mutter gehabt. Wir Mädchen hatten alle weiße Schürzen an. Wir saßen in Reihen hintereinander. Ich habe als Kind gerne Streiche gespielt.  Ich habe heimlich die Schleife an der Schürze des Mädchens vor mir an die Bank festgeknotet. Wenn sie aufstand, fiel sie hin. Das fand ich lustig. Aber der Lehrer nicht. Zur Strafe musste ich in seinem Garten Unkraut auszupfen. Das hat mir aber Spaß gemacht.

 

Stimmt es, dass die Lehrer früher die Kinder mit dem Lineal auf die Finger geschlagen haben?

Älterer Herr:

Mit dem Lineal? Noch viel schlimmer! Unser Lehrer hat uns mit einem dicken Rohrstock geschlagen. Da waren die Finger grün und blau, ohne Gefühl. Einmal sind wir deswegen zum Bürgermeister gegangen und haben es ihm gezeigt.

Ältere Dame:

Meine Lehrerin war streng, aber sehr nett. Wenn wir gut gearbeitet haben, bekamen wir zur Belohnung Fleißkärtchen, also so kleine Bilder mit Blumen oder Tieren drauf.

Ältere Dame:

Wir mussten zur Strafe manchmal eine Stunde in der Ecke stehen, mit dem Gesicht zur Wand. Das war schrecklich.

 

Mussten Sie wirklich immer stillsitzen?

Rumlaufen war nicht erlaubt. Aber auf dem Schulhof, da mussten wir rennen. Da hat der Lehrer uns gescheucht, damit wir genug Bewegung hatten.

 

Hatten Sie früher auch Schwimmunterricht?

Von wegen. Ich habe am Kanal gewohnt. Da hat mich meine Schwester reingeworfen. So habe ich mit 5 Jahren ganz schnell schwimmen gelernt.

 

Haben Sie den Krieg erlebt?

Ältere Dame: Ich stamme aus der Nähe von Stuttgart. Da waren die Daimler-Benz-Werke. Die Amerikaner haben die mit Bomben beschossen. Wenn Fliegeralarm war, also wenn die Bomben fielen, mussten wir Kinder schnell in den Schulkeller. Im Winter war es dort kalt. Auch im Klassenraum war es kalt. Jeder Schüler musste 2 Briketts mitbringen. Damit wurde der Bullerofen beheizt. Direkt am Ofen war es sehr heiß, aber 5 m weiter ziemlich kalt. So haben wir die Plätze ständig gewechselt, damit alle mal warm hatten.

Andere Dame: Nach dem Krieg hatten wir alle großen Hunger. Da haben die Amerikaner neben der Schule Suppenküchen eingerichtet. Da konnten wir uns zum Glück satt essen.

 

Haben Sie auch Englisch gelernt in der Grundschule?

Nein, nicht da, aber ab der 5. oder 7. Klasse. In Rheinland-Pfalz französisch, in NRW englisch, und in Ostdeutschland haben die Kinder sogar russisch gelernt. Je nachdem, wer die Nachbarn oder die Besatzungsmächte waren.

 

Wie war Ihr Schulweg?

Ältere Dame: Ich musste 4 km laufen, einmal den ganzen Berg runter und dann wieder hoch. Wenn wir zusammen gelaufen sind mit vielen Kindern, hat es Spaß gemacht. Dann haben wir meistens ziemlich getrödelt.

Herr aus Ippendorf: Ich bin hier in Ippendorf zur Schule gegangen. Da war noch alles Feld hier. Wo heute Häuser stehen, war damals noch alles grün. Mein Schulweg war schön.

 

Hatten Sie auch Ferien und Ausflüge?

Klar hatten wir Ferien. Manchmal auch Ernteferien. Da haben wir Kinder den Eltern beim Ernten geholfen. Aber wir mussten auch samstags zur Schule. Und im Sommer mussten wir während der Schulzeit auf die Felder Kartoffelkäfer sammeln. Die Käfer waren nicht so schlimm. Aber die Larven davon, die fand ich eklig. Die mussten wir sammeln, damit die nicht alle Pflanzen auffraßen und die Ernte ausfiel.

 

Hatten Sie auch die Jahrgangsmischung?

Ja, in meiner Dorfschule waren alle Klassen 1 bis 4 zusammen. Die großen Schüler mussten mit den Kleineren schreiben und rechnen üben. In manchen Dörfern waren sogar alle Schüler von der ersten bis zur achten Klasse zusammen in einem Raum mit einem Lehrer.

 

 Bildunterschrift: Die Senioren zeigen uns Sprichwörter in alter Sütterlin-Schrift.